Aus dem Gemeinderat 19.01.2010

Gemeinderatsfraktion

Es liegt einiges an Ärger in der Luft.
Im Gemeinderat ging es um das Ortsbild – Beim Dorffest wird es in diesem Jahr kein Feuerwerk geben
Eine Bausünde ist nicht nur von Dauer, sie kann auch das Bild eines ganzen alten Ortskerns ruinieren. In Neckartenzlingen soll derlei nicht geschehen, das zeigte sich bei der am Dienstag abgehaltenen Sitzung des Gemeinderats. Es ging um die Neugestaltung des Areals Neckarstraße 25.

NECKARTENZLINGEN. Der umfängliche Handwerksbetrieb, der sich dort befindet, soll verlagert und an der Stelle ein Mehrfamilienhaus hochgezogen werden. Bürgermeister Herbert Krüger, der das Projekt selber erläuterte, weil die Spitze des Bauamtes derzeit nicht besetzt ist, sprach von einer städtebaulichen Herausforderung. Das Areal liegt im historischen Ortskern unmittelbar am Neckar.
Wer immer in dem ins Auge gefassten Mehrfamilienhaus wohnen wird, hat vom Balkon aus einen überaus reizvollen Blick über den Grünbereich des Neckars. Einerseits soll das Mehrfamilienhaus ein Pultdach erhalten, andererseits ist dort jeder Neubau der örtlichen Situation anzupassen. Die Diskussion des Projekts machte deutlich: Es liegt Ärger in der Luft.
Dabei hat das Vorhaben durchaus seine positiven Seiten. Zum Beispiel wird das Areal dann nicht mehr in vollem Umfang bebaut sein, es bleibt also Raum für Gestaltungsmaßnahmen. Nach ersten Planungen ist ein Haus mit Erdgeschoss und drei Obergeschossen vorgesehen.
Gemeinderat Klaus Waiss war von allem Anfang an nicht glücklich über das Volumen des Hauses. Dort auf die vorgesehene Weise zu bauen, wolle gründlich überlegt sein. Ähnlich argumentierte Professor Helmuth Kern. Für ihn handelt es sich beim Standort um ein sehr sensibles Gebiet. Jeder Neubau dort sollte sich möglichst in den vorhandenen Baubestand einfügen. Er möchte alles erst einmal im Modell sehen. Außerdem ist er nicht glücklich über die Zufahrtsmöglichkeit. „Hier besteht Klärungsbedarf“, sagte er.(Die Befangenheit bei Helmut Kern wurde nicht berücksichtig)
Auch Georg Adler fand den Vorbehalt angebracht. Derzeit sei im Grunde genommen überhaupt keine richtige Zufahrt vorhanden. Einerseits sei er nicht der Mann, einem Baulustigen Steine in den Weg zu legen, andererseits sieht aber auch er noch eine Reihe offener Fragen. Grundsätzlich solle für das Gebiet ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Dann bestehe ein Rahmen, an den man sich halten könne.
Auf jeden Fall könne es im vorliegenden Fall nicht schaden, das Landratsamt schon im Vorfeld einzuschalten.
Alle Kommunen wollen Wohnraum anbieten
Jürgen Schöllhammer hielt es für angebracht(Befangenheitsfrage ist hier nicht berücksichtigt Der Bruder ist Anlieger), schon jetzt die sich abzeichnende Situation für die Anlieger ins Auge zu fassen. Henrik Schäfer stimmte zu. Hier gelte es, sagte er, über das für den Neubau in Frage kommende Areal hinauszudenken. Bürgermeister Krüger verwies auf das Bestreben aller Kommunen, Wohnraum anzubieten, griff aber gleichzeitig die Anregung von Gemeinderat Klaus Waiss auf, eine Besichtigung der Örtlichkeit zu einem möglichst frühen Termin vorzunehmen.
Neckartenzlingen mit seinen günstigen Verkehrsanbindungen ist nach wie vor ein gefragter Wohnort. Alleine bei der Beratung am Dienstag, der ersten Sitzung im neuen Jahr, wurden nicht weniger als sieben Bausachen behandelt.
Bei einem dieser Vorhaben handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus mit voraussichtlich fünf Wohnungen in der Spenglerstraße 41. Auch hier geht es um die Verlagerung von Gewerbe weg von der Spenglerstraße. Als Zeitraum für die Verwirklichung des Vorhabens nennt der Bauherr fünf Jahre. Die Planung wäre wohl anstandslos über die Bühne gegangen, wenn sich die Firstrichtung des ins Auge gefassten Mehrfamilienhauses an die Linie der vorhandenen Gebäude halten würde. Das aber ist nicht der Fall. Das geplante Mehrfamilienhaus steht quer zur Bauflucht.
Es schälte sich die Tendenz zu einem grundsätzlichen Ja für eine Bebauung heraus, allerdings bei Beibehaltung der Vorgaben des Bebauungsplanes. Schließlich erklärte sich die Runde mit dem Vorschlag des Bürgermeisters einverstanden, vor jedweder Entscheidung über die Bauvoranfrage eine Besichtigung der Örtlichkeit durch den Gemeinderat vorzunehmen.
Der Sitzung des Gemeinderates war eine Beratung des Bau- und Verwaltungsausschusses vorausgegangen. Dabei ging es ausschließlich ebenfalls um Bausachen. Bei einem zweistöckigen Wohnhaus in den Fuchsäckern reicht die ins Auge gefasste Terrasse über die Baulinie hinaus und ist die Garage zu hoch, was für die Anlieger zu einem Problem werden könnte. Grundsätzlich zeigte sich das Gremium mit dem Vorhaben einverstanden, sofern die Landesbauordnung eingehalten wird. Einvernehmlich abgesegnet wurde der Umbau des sogenannten Pfandraumes innerhalb der Aldi-Filiale im Gewerbegebiet.
In diesem Jahr findet das Dorffest am 10/11. Juli statt – diesmal ohne Feuerwerk. „Im Sparjahr ohne Feuerwerk“, sagte Bürgermeister Krüger. Auch der Kinderumzug wird bei den dann noch laufenden Straßenbauarbeiten schwierig sein. Trotz der Beeinträchtigungen soll das Dorffest auf jeden Fall stattfinden, wenn auch bei reduziertem Aufwand. Bei einer Gegenstimme war der Gemeinderat damit einverstanden.

 
 

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