Über den Tellerrand hinausblicken

Veröffentlicht am 30.05.2013 in Pressemitteilungen

Walter   Baral,   Neckartenzlingen  schrieb in der Nürtinger Zeitung am 24. Mai 2013
 

Das Schulzentrum Neckartenzlingen (Gym­nasium, Realschule, Werkrealschule) steht seit Jahren im Fokus. Die verschie­denen Schularten besuchen Schülerin­nen und Schüler nicht nur aus Neckartenzlingen, sondern auch aus anderen Gemeinden rund um Neckartenzlingen.

Diese Bildungseinrichtung in der Fläche wird von Eltern mit schulpflichtigen Kindern gerne in Anspruch genommen. Alle reden von Bildung. Wir haben diese Einrichtungen am Ort. Die Eltern bauen darauf, dass dies auch weiterhin so bleibt. Und Neckartenzlingen ist sich dieses Wertes bewusst.

Bildung soll möglichst wenig oder gar nichts kosten. Das ist richtig, wenn da­mit die Schüler gemeint sind. Schulen kosten Geld und finanzieren sich damit nicht von selbst. Dafür ist zunächst der Schulträger, also die Standortgemeinde zuständig. Neckartenzlingen kann nach Ansicht der Verwaltung und des Ge­meinderats die anfallenden Kosten nicht mehr alleine schultern. Auf die Argu­mente des Für und Wider will ich hier nicht eingehen.

Die Argumentation der vehementen Beteiligungsgegner ist jedoch dürftig und geht von völlig falschen Vorausset­zungen aus. Den „Ersten Bürgern" am Ort sollte doch bekannt sein, dass im Fi­nanzausgleichsgesetz (§17 FAG) auch der Ausgleich von Sonderlasten geregelt ist. Hierunter fällt der Schullastenaus­gleich, der besagt, „dass das Land die persönlichen Kosten der Landesbe­diensteten trägt, der Schulträger die üb­rigen Kosten. Dieser Sachkostenbeitrag wird so bestimmt, dass ein angemessener Ausgleich der laufenden Schulkosten geschaffen wird".

Hier ist also von einer 90-prozenti­gen Deckung nicht die Rede, sondern nur von einer angemessenen Höhe. Al­les andere sind Interpretationen, die einer objektiven Prüfung nicht stand­halten. Dieser sogenannte Sachkosten­ Beitrag ist Teil des Steueraufkommens von ganz, ich betone: von ganz Baden-Württemberg. Die Berechnung der Bürgermeister mag aus deren Sicht richtig sein, sie ist jedoch unseriös und geht von einer „grottenfalschen" Ausgangsbasis aus. Wenn Gemeinderäte sich auf diese Argumentationsart ein­lassen, die Aussagen der Bürgermeister ohne eigene Nachprüfung übernehmen und sogar Schularten in Neckartenz­lingen infrage gestellt werden, ist eine konstruktive und befriedigende Lö­sung des Finanzproblems sehr infrage gestellt.

Wie habe ich eingangs geschrieben? Bildung kostet Geld. Bildung ist not­wendig, notwendiger denn je. Wer Bil­dung in nächster Nähe seines Heimator­tes erhalten kann, ist uns später dank­bar. Kleinkariertes Denken ist nicht ge­fragt, sondern ein Denken über den Tel­lerrand hinaus. Ich wünsche mir Ge­meinderäte mit Weitblick.